Wahnsinn

Es ist Sommer. Auf den ersten Blick erkennt man es kaum. Der Himmel ist bedeckt, nur sporadisch guckt die Sonne durch. Der Blick auf den Kalender ist aber eindeutig. Wir lassen uns also nicht beirren. Wir nehmen den Moment, wie er ist. Wir genießen den Augenblick und harren der Dinge.

Es ist an der Zeit, die Seele baumeln zu lassen. Der Alltagsstress kann ruhig mal bleiben, wo er hingehört: irgendwo anders; an einem Ort, an dem wir gerade nicht sind.

Der Sohn zeigt, wie man damit am besten umgeht. Er sitzt in seinem Stuhl, warm eingepackt, lässt sich den Wind um die Ohren pfeifen und zählt die Beiboote des Kreuzfahrtschiffs vor seiner Nase. Irgendwann dreht das Boot. Direkt auf der Stelle. Der Sohn beobachtet ruhig, keine Mine verzieht er dabei. Es scheint, als wäre es die reine Routine für ihn. Vollkommen unbeweglich sitzt er da. Zugedeckt, sein Kopf lugt aus der Decke, seine Augen sind das Einzige, was sich bewegt. Nach einer Weile hat das Boot fertig gedreht. Ganz ruhig lief das ab. Stress ist definitiv anders. Der Sohn starrt noch immer stur geradeaus. Plötzlich brummt er leise “Wahnsinn!” vor sich hin. “Zweiundzwanzig”, sagt er noch. Es ist so leise, man hört es kaum. Alle Beiboote erfasst.

Langsam dreht sich sein Kopf. Die Augen wandern suchend umher, versuchen, das nächste Boot zu erhaschen. Irgendwas wird es auch dort zu zählen geben.

So geht das eine Weile. Wir nennen es Urlaub. Ganz egal, was das Wetter dazu sagt.