Routine ist alles

Ordnung muss sein. Es hilft ja alles nichts. Leugnen ist da zwecklos. Ich zähle mich in dieser Hinsicht ganz zum biederen Durchschnittsvolk, welches zwar gern vom progressiven Draufgängertum träumt, aber doch tief im Herzen eine gewisse Berechenbarkeit der Welt nicht immer vollkommen ablehnt. Ein paar Konstanten darf es durchaus geben. An denen hangeln wir uns durch. Die Aufregung gibt es dann irgendwo dazwischen.

Das prägt natürlich auch die Kinder. Routine bestimmt ihren Alltag. Das ist etwas Gutes. So wissen sie, was wirklich wichtig ist. Das Unumstößliche steht einfach fest. Daran wird nicht gerüttelt. Sie wissen zum Beispiel genau: Ohne Frühstück geht es morgens nicht aus dem Haus. Die anderen Mahlzeiten stehen ebenfalls fest. Auch ins Bett geht es nicht nur jeden Tag sondern auch zur immer gleichen Zeit. Darauf ist Verlass. Darauf können sie bauen. Diesen routinierten Alltag gibt’s hier übrigens nicht nur unter der Woche. Der findet auch am Wochenende statt. Dann dürfen sie jedoch ganz wild und lange schlafen. So sind wir hier gar nicht. Wie gesagt: Die Aufregung findet irgendwo inmitten der Routine statt. Hier bietet sich eine gute Gelegenheit.

Und die Kinder wissen sie zu nutzen. Am Wochenende ist zum Beispiel die Zeit, sich morgens endlich mal in Ruhe ausspielen zu können, ohne dass die Eltern mit dem Gang zum Bäcker oder gar dem schon gedeckten Frühstückstisch dazwischen kommen. Es ist vor allem der Sohn, der diese Zeiten zu schätzen weiß. Ich bin mir nicht sicher, ob er sogar extra früher aufsteht. Aber wenn ich mir angucke, was er zu Zeiten, in denen der Rest des Clans hier noch schläft schon alles gelesen, gemalt, gebastelt, gebaut und aufgetürmt hat, dann scheint es zumindest so.

Anders die Tochter. Entweder nutzt sie die Zeit, um wirklich mal in Ruhe auszuschlafen oder sie wird wach wie immer, stapft an der geschlossenen Tür des Bruders vorbei, reißt die vom Schlafzimmer mit Schmackes auf und ruft: “Papa, kannst Du bitte mal aufstehen und ins Bad zum Zähneputzen kommen?”

Ich dachte mir schon, dass sich diese ganze Erzieherei irgendwann rächt. Ich habe nur nicht geahnt, dass es noch vor dem ersten Kaffee passiert. Routiniert ist anders.