Aus dem Regal: Vor dem Fest von Saša Stanišić

Endlich mal wieder ein Buch von jemandem, der Schreiben kann. Richtig gut Schreiben kann. Vor geraumer Zeit haben wir von dem werten Herrn schon mal etwas gehabt. Wie der Soldat das Grammofon repariert hieß es damals. Und das ist schon sehr lange her. Acht Jahre hat sich Saša Stanišić gegönnt bis zum Erscheinen von Vor dem Fest. Acht Jahre, in denen er Sätze wie diesen konstruierte:

Herr Schramm ist ein Mann mit Haltung und Haltungsschaden.

Es ist nur ein Satz. Aber ich könnte auch quasi jeden anderen zitieren. Sie sind alle sehr schön. Na, oder fast alle zumindest. Ein paar Ausrutscher gibt es. Nein, ich suche sie jetzt nicht heraus. Sie erlaubt man doch gern. Die müssen sogar sein. Sonst wäre es doch arg deprimierend. So aber ist es einfach nur schön.

Worum geht es eigentlich? Um ein Fest, ein geplantes. Das verrät ja schon der Titel. In Vorbereitung des Festes lernen wir das Dorf kennen. Ein fiktives ist es. Fürstenfelde heißt es. In der Uckermark liegt es. Was streng genommen aber reichlich egal ist. Es ist ein ganz normales Dorf. Manchmal wirkt es etwas abgelegen vom Rest der Welt. Der beste Weg hin zum Dorf führt über einen See. Einen Fährmann braucht man also. Aber der stirbt gleich ganz am Anfang. Schon im zweiten Satz ist er tot.

Und der Fährmann taucht trotzdem immer wieder auf in der Erzählung. Genauso, wie alte Geschichten immer wieder auftauchen. Manche sind 80 Jahre alt. Andere gar 400. Aber egal. Sie gehören alle ins Dorf. Sie erzählen alle vom Dorf. Genauso, wie es die Geschichten aus dem Hier und Jetzt machen. Das ganze Buch dreht sich nur um das Dorf. Diese Fest, es ist nur ein Aufhänger. Es ist dieser schemenhafte Höhepunkt ganz am Ende, auf den alles hinarbeitet. Bis zum Fest wollen irgendwie alle Geschichten erzählt sein. Bis dahin möchte jeder im Dorf seinen Frieden machen. Mit dem Leben, mit den Sorgen, mit allem. Es sind lauter Einzelschicksale, die hier das ganze Bild formen.

Für diese kleine Durcheinander hat der Autor auf der Leipziger Buchmesse in diesem Jahr übrigens den Hauptpreis bekommen. Aber es ist trotzdem unterhaltsam und kurzweilig. Literaturpreis hin oder her. Das Buch ist eine klare Empfehlung. Und passenderweise liest der Autor morgen aus eben diesem; hier in den Südstaaten; im KOHI. Wie großartig ist das denn?