Aus dem Regal: Im falschen Film von Michael Meisheit

Dieses Buch ist tatsächlich mal etwas anderes. Und zwar auf so einige Arten. Gehen wir die doch mal der Reihe nach durch.

So ist es ein E-Book. Oder es kam zumindest hier als ein solches an. Das ist jetzt nicht der ganz große Durchbruch. Davon hatten wir hier schließlich schon so einige. Papierbücher gibt’s hier aber auch noch. Der Stapel der Ungelesenen wächst fortwährend. Es ist eine Plage. E-Books sind für diese jedoch keine Lösung. Der Ordner mit den Ungelesenen davon wird nämlich auch nicht leerer. Ganz im Gegenteil. Für das E-Book gibt’s in diesem Fall somit weder Bonuspunkte noch Punktabzug. Das Medium ist manchmal doch nicht die Botschaft.

Dann stammt das Buch von Michael Meisheit. Ach nein, von Vanessa Mansini. Aber sie ist in Wirklichkeit Michael Meisheit. Und genau so schreibt er es auch ganz groß dran, auf der Webseite des Buches zum Beispiel. Nun ist gegen das Verwenden von Pseudonymen prinzipiell nichts zu sagen. Denn sind wir doch mal ganz ehrlich: Das mit den Namen, das ist schon ganz schön viel Schall und Rauch. Bei welchem Autoren fragt man schon nach dem Personalausweis, bevor man ein Buch von ihm oder ihr kauft? Das passiert wohl doch eher selten. Von mir aus kann auf dem Buch als Autor sonst etwas drauf stehen. Wenn es nett klingt, warum nicht? Aber dann möchte ich bitte auch, dass der Name einigermaßen konsequent beim Buch stehen bleibt. Dieses Hin und dieses Her und dieses Auflösen des Pseudonyms im nächstgelegenen Halbsatz ist keine freundliche Sache. Es fühlt sich ein wenig so an, als ob einem jemand mit dem nassen Lappen ins Gesicht klatscht und freundlich grinsend fragt, ob man den zielgruppengerechten Marketingspaß jetzt endlich verstanden habe. Also: Vanessa oder Michael – es kann nur eine(n) geben. In dieser Disziplin ziehe ich dem Buch jetzt glatt einen Punkt ab.

Das Buch ist selbstpubliziert. Das ist nichts Schlimmes. Es qualifiziert sich damit zwar nicht für den Indiebookday, aber irgendwas ist ja immer. Ich bin durchaus ein Freund des Selbstpublizierens. Die üblichen Einwände und Schmährufe sind mir bekannt. Doch sind wir mal ganz ehrlich: Weder das Abendland noch das Internet sind untergegangen, als auf einmal wir vom gemeinen Pöbel angefangen haben, in letzteres reinzuschreiben. Wenn man seine Filterblase halbwegs im Griff hat, gilt sogar genau das Gegenteil. Dann kommen richtige Perlen zum Vorschein und man lernt interessante Autoren und neue Freunde kennen. Warum soll das nicht auch mit Büchern funktionieren? Eben. Ich gebe hierfür jetzt einfach mal einen Pluspunkt, auch wenn man den jetzt falsch verstehen könnte. Aber wie gesagt: irgendwas ist ja immer.

Die Geschichte ist eine glasklare Vertreterin der Unterhaltungsliteratur. Das passt, schreibt der Autor doch offenbar gelegentlich auch Drehbücher für die Lindenstraße. Wer hier die Nase rümpft, kommt zu spät. Dafür hätten doch die obigen Punkte schon ausreichen können, oder? Das mit der Abscheu vor der leichten Kost ist durchaus so eine Sache. Es ist vergleichbar mit einer Flasche Wein. Wenn man unter der Woche am Abend einfach mal eine aus dem Regal zieht, um das Surfen im Internet etwas angenehmer zu gestalten, dann ist der gemeine Hauswein vollkommen in Ordnung. Wenn man am Wochenende mit der Dame des Hauses verträumt in die Kerzen auf dem Tisch starrt, dann darf es auch etwas edler dekantiert sein. Die Analogie jetzt rückwärts wieder aufzulösen, spare ich mir jetzt mal. Es ist eh klar, oder? Da man Zeitpunkt und Umstände des Lesens selbst bestimmen kann, gebe ich für die Unterhaltungsliteratur einen Pluspunkt.

Unter dem Strich steht es 2:1 für die Geschichte. Das hätte doch viel schlimmer kommen können. Experiment gelungen. Den Link zum Kaufen gibt es auf oben erwähnter Webseite zum Buch.