Aus dem Regal: Nullzeit von Juli Zeh

Was macht jemand, der nach dem Studium aus der Heimat auswandert, weil der gelernte Juristenkram wenig sinnvoll erscheint, dafür die Tauchschule auf einer Insel mit schönem Wetter umso verlockender? Er lässt es sich möglicherweise für 14 Jahre auf der Insel gut gehen und dann von der alten Heimat gnadenlos wieder einholen.

So passiert’s hier im Buch Nullzeit von Juli Zeh. Unser ausgestiegener Tauchlehrer heißt Sven. Und Sven hat sich mit seiner Zufallsbeziehung auf die Insel zurück gezogen. Die Tauchschule der beiden läuft. Es gibt Stammgäste, es gibt wechselnde Gäste, so könnte das wohl ewig weitergehen.

Bis ein Pärchen angereist kommt und die Taucherei für zwei Wochen exklusiv bucht. Die beiden sind Schauspielerin beziehungsweise Schriftsteller. Man kann sich vorstellen, dass die Kombination entweder totlangweilig oder reichlich durchgeknallt ist. Da langweilig diesen beiden nicht besonders gut liegt, bleibt nicht viel an Alternativen übrig. Die Handlung der Geschichte erstreckt sich auf wenig mehr als die 14 Tage, in denen sie zu Besuch sind. Und von diesen Tagen gleicht natürlich keiner den anderen. Es ist ein unterhaltsames Ping-Pong zwischen den beiden extrovertierten Kunden, welche Sven ständig zwischen sich hin und her spielen. Bei der ganzen Spielerei geht übrigens seine langjährige Beziehung wie nebenbei in die Brüche. Aber das ist gar nicht wirklich zentral und wichtig. Es ist mehr ein Kollateralschaden, ebenso wie die Zerstörung seines Auswandertraums.

Apropos Schaden: Auf dem Buch steht irgendwo Thriller drauf. Das gibt’s natürlich nicht geschenkt. Es gibt zwar mehr Beinahe-Tote als wirkliche, aber trotzdem schwimmt irgendwann mal eine Leiche durchs Bild. Und wenn wir mal ganz ehrlich sind, ist beinahe tot viel dramatischer als wirklich tot. Einen Thriller mit richtig Toten, um die herum dann fleißig ermittelt wird, können viele andere gut schreiben. Juli Zeh ist mehr eine Erzählerin von quasi alltäglichen Geschichten, in denen die Neurosen der Darsteller für Unterhaltung und Abwechslung sorgen. Das klappt auch hier. Und wie ich finde sogar ganz hervorragend.

Eine schöne Geschichte, auch wenn man nicht unbedingt Thriller draußen ranschreiben muss.