Heikles Essen

Essen ist ein heikles Thema. Man hat das kürzlich erst wieder sehr gut bei unserer Klassenlehrerin Frau Isa gelernt, welche sogar versucht, uns Schokolade und Kaffee madig zu machen. Das ist nicht nur heikel, sondern sehr mutig. Von ihr. Aber darum geht’s hier gar nicht. Hier geht’s um die ganz alltägliche Wahl des Speiseplans. Von Schokolade und Kaffee einmal abgesehen.

Wer Kinder hat, weiß: Diese Wahl kann ganz einfach sein. Man braucht nur mal den Kindern zuzuhören und dann läuft das wie von selbst. Es gibt einfach: Nudeln! Nudeln gehen immer. Die Kinder tanzen förmlich, wenn sie Nudeln! hören. Die könnte es wirklich jeden Tag geben. Es würde nicht langweilig werden. Warum hat schließlich jemand die unterschiedlichen Sorten für Nudeln und Pesto erfunden? Eben. Da steckt durchaus Sinn dahinter. Aber nein, wir als Eltern kapieren das einfach nicht. Wir Eltern, also wirklich, versuchen laufend Alternativen aufzutischen. Wenn die Kinder Glück haben, gibt’s Maultaschen. Wir leben hier schließlich in den Südstaaten. Das kann man ruhig mal würdigen. Und sei es nur beim Essen. Maultaschen finden die Kinder auch super. Maultaschen und Nudeln: das ist quasi eine Äquivalenzklasse.

Aber sonst so? Brot. Geht ja gar nicht. Brot, jetzt mal ehrlich: wer mag das schon? Und auch diese ganzen dreihundert verschiedenen Sorten von Belägen, die man darauf ablegen oder verschmieren kann. Wurst, Käse, Gemüse, Kram vom Türken: alles das Gleiche. Es kommt schließlich auch alles auf’s Brot. Das kann gar nicht brauchbar sein. Nur gut, dass es irgendwann noch Nachtisch gibt. Und am nächsten Tag dann Nudeln. Hoffentlich. Und nicht wieder Reis oder noch mehr Gemüse oder einen Sonntagsbraten. Das ist doch alles: eklig! Es soll einfach Nudeln geben und gut ist’s. Egal, ob lang oder kurz oder gedreht oder gefüllt: Hauptsache Nudeln!

Vor kurzer Zeit hat die Dame zur Tochter auf dessen Frage nach dem Abendmahl endlich geantwortet: Heute? Heute gibt es Nudeln.

Man durfte mit einem glücklichen Kind rechnen. Mit einem freudigen Lachen, welches die pure Liebe ausdrückt, die ein Kind für seine Eltern nun einmal hat. Man durfte erwarten, dass die Tochter ruhig und klaglos den Tisch deckt und sich schon einmal vollkommen glücksseelig an selbigen setzt um ganz in Ruhe die Stunde bis zum Essen abzuwarten.

Was wir stattdessen zu Hören bekamen war die Tochter mit einem trockenen: Ich will Kartoffeln!

Essen? Heikel.