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Getränke für den Tag

Die Vorzüge eines geregelten Tagesablaufs lernt der moderne Mann von heute spätestens dann kennen, wenn Kinder im Haus einziehen. Kinder sorgen für Routine. Sie brauchen sie selbst. Routine gibt ihnen einen verlässlichen Rahmen, sie hilft ihnen bei der Orientierung durch den Tag. Mit Routine ist alles leichter, da kann der Alltag seinen geregelten Gang gehen.

Selbst Eltern schaffen es jedoch nicht immer, die Zeichen des Augenblicks richtig zu deuten und in jedem Moment die korrekten, angemessenen Maßnahmen zu erkennen, die das Kind routiniert jedoch ohne Langeweile durch den Alltag bringt. In solchen Momenten helfen sich die bedürftigen Kinder idealerweise einfach selbst. So zum Beispiel die Tochter. Mit der Wahl ihrer Getränke. Man kennt das ja durchaus selbst: Der erste Kaffee des Tages ist regelmäßig ein klarer Wegweiser für die Sorgen am Morgen. Vor dem Kaffee sind sie übernatürlich, nach dem Kaffee nur noch Schall und Rauch. Das korrekte Getränk am Morgen vertreibt also Kummer und Sorgen. Das hat die Tochter auch schon erkannt. Das Kind lernt schnell. Und spult täglich das gleiche Programm ab: Aufwachen; Brüllen, bis Papa endlich anrückt und klar verständlich einen Muntermacher bestellen: Milch! Die Betonung liegt wie immer auf dem Ausrufezeichen. Wir kennen das ja schon. Da ich jetzt weiß, was sie will und da ich den Wert von Routine sehr schätze, tue ich, was ein Mann tun muss: ich gebe ihr Milch. Und was kurz vorher noch unmöglich schien, ist jetzt eine Selbstverständlichkeit: wir sind zwei dicke Freunde. Die Tochter und ich: ein quasi unzertrennliches Paar der Harmonie. Zumindest für zwei Minuten. Spätestens dann ist der Becher nämlich leer. Aber irgendwas ist ja immer. Die Hauptsache ist doch, dass der Grundstein für den Tag gelegt ist. Wichtig ist, dass wir wissen, wie ein Tag korrekt beginnt: mit einem Becher Milch. Haben wir den erst mal geschafft, ist der Rest des Tages ein reines Kinderspiel. All die kleinen Sorgen und Nöte, Fragen und Gefahren, Risiken und Hindernisse: lächerlich, das machen wir mit links. Genau genommen erledigt die Tochter alles selbst und trinkt nebenbei einfach Wasser. Was die Milch am Morgen, ist das Wasser am Tag. Klar und rein, elegant darf’s sein.

Bis zum Abend. Dann geht’s ins Bett. Und jetzt machen wir uns mal nichts vor: Welches Kind lässt sich schon mit Wasser abspeisen, wenn’s ins Bett gehen soll? Eben. Da haben die Eltern schließlich ganz offensichtlich auch ein Interesse dran, also sollen sie sich mal ruhig etwas einfallen lassen. Wasser, also wirklich, das geht da gar nicht. Zum Glück lässt die Tochter sich nicht lange bitten. Sie sagt ganz freiwillig klar an, womit man sie zufrieden stellen kann. Sie liegt im Bett, die Augen weit offen, gibt sie ihre Bestellung heraus: Tee! Ich finde das verwunderlich, ich weiß auch nicht, woher sie es hat. Aber es ist wirklich jeden Abend das Gleiche. Tee!, sagt die Tochter und gibt man ihr diesen, schläft sie danach auch gern recht ruhig ein. Routine hilft.

Aber keine Regel ohne Ausnahme, denkt sich die Tochter. Auf einmal sitzt sie im Bett, soll eigentlich schlafen, denkt aber gar nicht daran, lässt sich auch mit Tee nicht ruhig stellen. Auf einmal guckt sie einen an, grinst verschmitzt, legt den Kopf leicht schief und sagt: Kaffee! Ich überlege nur kurz, denke ans Schlafen, denke an Pläne für den Abend, denke an den Weltfrieden und gebe schließlich der Tochter, wonach sie halt fragt. Kaffee, also wirklich. Das kann ja nur eine Ausnahme sein. Den wird sie jetzt schon nicht jeden Tag haben wollen. Wollen wir mal nicht so sein. Kaffee soll sie haben. Und siehe da: kurz danach schläft das Kind seelenruhig und tief und fest.

Und da wir hier ja ganz unter uns sind, kann ich es Ihnen ruhig verraten: Von mir aus kann die Tochter das Wasser am Abend nennen, wie sie will. Ob sie jetzt Tee oder Kaffee dazu sagt: mir passt beides in den Kram. Hauptsache, sie schläft routiniert pünktlich ein. Wasser passt schon.

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