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Heiraten

Wir machen nicht nur Urlaub. Nein, wir feiern auch. Hochzeiten zum Beispiel. Gern die von guten Freunden. So auch kürzlich. Dabei hilft’s natürlich enorm, wenn alle Beteiligten wissen, worum es geht und worauf sie sich da einlassen. Das ist nicht immer ganz einfach. Denn selbst sind wir hier im Haus eine recht klassisch gestaltete Familie. Wir haben erst einmal geheiratet und danach gab’s dann irgendwann die Kinder. Manche mögen das langweilig finden. In Wirklichkeit ist es aber vollkommen in Ordnung so. Einen Nebeneffekt hat es jedoch: den Kindern ist das Konzept einer Hochzeit von Haus aus erst einmal fremd. Aber wofür gibt es lange Anfahrtswege? Richtig: für Aufklärungsaktionen. Denn irgendwann während der Autofahrt fragte der Sohn: Papa, was ist eigentlich eine Hochzeit?

Tja. Wo fängt man da mit dem Erklären an? Um Liebe geht’s auf jeden Fall. Aber da das noch nicht der richtige Moment für die Antwort mit den Bienen und den Blüten ist, fange ich erst einmal damit an, um wen es eigentlich geht. Das Paar ist beim Nachwuchs gut bekannt, beide sehr beliebt und obendrein auch schon länger zusammen als die Kinder sich zurück erinnern können. Das ist eine solide Basis. Das erkläre ich erst einmal. Dann geht’s weiter damit, dass wir auf ein Schloss fahren. Ein Schloss, das ist etwas aus den Zeiten alter Ritter. Ritter sind toll und großartig. Gleich nach den Piraten sind sie die größten Helden für den Sohn. Das findet er gut. Ab auf’s Schloss, vielleicht sehen wir dort ein paar Ritter. Der Ausflug wird großartig. Irgendwie bekomme ich jedoch das Gefühl, dass der eigentliche Anlass gerade in den Hintergrund gerät. Ich steuere gegen. Und bringe das Hochzeitspärchen wieder in Erinnerung. Die beiden heiraten schließlich. Aus Liebe. Das war doch schon klar. Aus meiner Sicht zumindest. Auf einmal fragt der Sohn jedoch genauer nach. Das Konzept der Liebe, das sei ihm jetzt nicht ganz geläufig. Es ist schlimm mit den Kindern. Erst hören sie nicht richtig zu und dann stellen sie komplizierte Nachfragen. Wirklich verrückt. Aber was soll’s? Ich erkläre auch noch das. Vor allem damit, dass sich beide wirklich sehr lieb haben. Liebe hängt zusammen mit sich lieb haben. Das klingt sogar recht ähnlich. Das sieht der Sohn ein. Das Konzept kennt er. Jetzt ist auch Schluss mit den Nachfragen. Hinten ist wieder Ruhe im Wagen. Gut, dass wir das geklärt haben. Die gute Tat des Tages ist damit auch erledigt. Jetzt kann der Sohn endlich in Ruhe einschlafen und sich für den Rest der Fahrt ein wenig ausruhen. Die Tochter macht es ihm passenderweise gut vor. Ihr Nickerchen dauert schon die gesamte Diskussion hindurch an. Diese Ruhe kommt natürlich auch für die Eltern gelegen. Dann kann der Eine ruhig fahren während der Andere entspannt die Landschaft betrachtet oder sonstige Späße treiben kann. Das sich ergebende entspannte Dahingleiten über weithin sogar überraschend leere Autobahnen kommt einer Zen-ähnlichen Ruhe gleich. Es ist ein Traum. Selbst bei einem Ereignis wie einer Hochzeit kann tatsächlich schon der Weg ein Teil des Zieles sein.

Wenn nicht plötzlich der Sohn von hinten ruft: Papa, ich hab’s! Ich habe Euch nämlich auch lieb. Die Mama habe ich ganz viel lieb und Dich habe ich ganz viel lieb und weißt Du, was wir jetzt machen? Wir heiraten! Alle zusammen: die Mama, der Papa und ich!

Die Tochter ist offenbar durch den plötzlichen Krach wach geworden und ergänzt: Ich auch!

Ich, ähh, gehe jetzt mal die Gesetzeslage klären. Das ist sicher einfacher als weitere Erklärungsversuche. Vor allem auf langen Autofahrten.

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