Versteckte Gefahren

Wir waren im Urlaub. An der Küste. Das ist nicht ohne. Man ist ja oft leichtsinnig und naiv. Man denkt in solchen Momenten: Einfache Sache. Was soll an einem Urlaub an der Küste schon dran sein? Das ist harmlos. Ein bisschen Sonne, bisschen Strand, bisschen Abhängen, Urlaub geschafft.

Netter Plan.

Wenn nicht gerade Hanse Sail wäre. Und man selbst quasi mittendrin. Denn dann gibt es nicht nur Sonne, Strand und Abhängen sondern auch: Boote. Viele Boote. Schöne Boote. Spannende Boote. Alles Boote für den Sohn, versteht sich. Er guckt und staunt. Für ihn ist das alles quasi Bildungsurlaub. So vertieft er seine arithmetischen Grundkenntnisse beim Zählen der Masten auf diversen Seglern. Er lässt sich das ganze Hin und Her auf dem Wasser erklären — Navigation, man weiß ja nie, wofür man das nochmal brauchen kann. Und er ergänzt die paar Sachen, die nicht gleich offensichtlich sind durch adäquate Urlaubslektüre. Ob’s nun ein kleines Pixi-Heft ist oder die Geschichte von Sam und seinem Traum vom Meer. Beide Bücher sind übrigens sehr zu empfehlen, vor allem letzteres — pädagogisch top, super Moral, fein erzählt, aber ich schweife ab. Wir stellen nur fest: Es gibt viel zu gucken, viel zu staunen, viel zu erklären und viel zu lernen.

Wird man ganz verrückt von. Also gibt’s sicherheitshalber einen entspannten Gang durch Warnemünde. Da kann man nicht viel falsch machen. Das ist bekanntes Terrain, da weiß man, woran man ist, da gibt’s keine Überraschungen, da braucht man zur Abwechslung mal nichts erklären. Das ist somit der Teil des Urlaubs, der für alle da ist. Endlich mal Ruhe im Klan. Wenigstens ein halber Tag ohne viel Warum? und Wieso? Und so ganz nebenbei kann man seinen eigenen kleinen Leidenschaften fröhnen und Leute gucken. Es gibt die Lokalen, die das ganze Jahr über hier sind, es gibt die Touristen, die Urlauber, die Tagesgäste. Und es gibt die Matrosen der Mir, welche offenbar auch mal Landgang bekommen haben. Komplett in Uniform, chic anzusehen, die Jungs. Man guckt, man staunt, man freut sich.

Nur der Sohn ist erstaunlich ruhig. Erst 100 Meter weiter taut er wieder auf, wirft noch mal einen flüchtigen Blick über seine Schulter, zieht mich dezent zur Seite und flüstert: Du, Papa. Ich habe Piraten gesehen. Auf der Fähre nachher, da müssen wir aufpassen.

Urlaubszeit? gefährliche Zeit. Von wegen einfache Sache. Nur gut, dass der Spuk vorbei ist. Und neue Bücher gibt’s vorläufig erstmal nicht. Sicher ist sicher.


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