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Von der Psychologie der Abwesenheit

Es gibt dieses Phänomen der sagenumwobenen Doppelbelastung. Das wird zum Beispiel gern dann beschworen, wenn wir uns als moderne Männer von heute nicht nur den gesamten Tag ganz exklusiv dem Bewundern der phänomenalen Fähigkeiten unseres phantastischen Nachwuchses hingeben dürfen, sondern auch dem nachgehen, was man landläufig eine geregelte Beschäftigung nennt.

Streng objektiv gesehen ist das mit der Doppelbelastung natürlich so eine Sache. Denn auf der einen Seite ist Erkennen der Großartigkeit des eigenen Erbträgers auch dann keine Belastung, wenn man es fortährend tut. Und auf der anderen Seite ist wohl auch diese Sache mit der geregelten Beschäftigung gar nicht so schlimm, da wir sie uns erstens ganz freiwillig ausgesucht haben und da sie zweiens auf jeden Fall noch genügend Vergnügensspielraum gebotenhat, damit das mit dem Nachwuchs klappen konnte.

Das macht zweimal keine Belastung. Aber zusammen gilt es trotzdem als Doppelbelastung. Mein Gefühl sagt mir, dass das in ganz wesentlichen Teilen daran liegt, dass wir während der einen Sache (der geregelten) die andere recht offensichtlich vernachlässigen. Das ist eine Belastung und bedrückt gleich doppelt, da wir schließlich davon ausgehen müssen, dass der Nachwuch sich den entsprechenden Teil des Tages durchgehend fragt, was wir da außer ihm noch spannend in dieser Welt finden können.

Das ist natürlich ein Dilemma. Und da hilft es auch nicht, dass mit Jean Piaget ein durchaus etablierter Psychologe mit der schlauen Meinung auf den Markt trat, dass Kleinkinder nichts mit Objektpermanenz am Hut haben. Soll heißen: Was das Kleinkind nicht sieht, das gibt es für das Kleinkind auch nicht. Papa aus den Augen, Papa aus dem Sinn.

Sehr erbauend.

Und wirklich belastend ist es, wenn die Wissenschaft nicht dafür taugt, die Herausforderungen des Alltags zu bewältigen.

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