Kategorien
social media

Tweet-o-Rasa. Oder: Alte Tweets einfach mal löschen

Social Media. Konkret: Twitter. Der Platz, an dem man spontane Sprüche los wird; bei dem man an einer großen, langen Theke abhängt, um mit anderen über den Sinn des Lebens zu philosophieren oder das Geschehen der Umwelt ein wenig abzulästern; manchmal auch der Platz, bei dem man sich angemessen über das jeweilige Aufregerthema des Tages echauffiert, um zu zeigen, wie moralisch überlegen man ist, ganz ohne eigene Lösungsansätze aufzeigen oder gar wirklich etwas Sinnvolles machen zu müssen.

Das geht da alles.

Und genau so, wie wir unsere abendlichen Stammtischgespräche nur selten in Buchform verewigen, ist die Meinungsäußerung auf Twitter flüchtig, geschieht eher en passant als für die Ewigkeit gemacht. Das ist auch durchaus so beabsichtigt und eingebaut. Man muss sich schon reichlich Mühe geben, um per Hand wieder ganz an den Anfang zurück zu kommen.

Es sammelt sich über die Zeit somit ein Archiv von Tweetleichen an, die für einen selbst vielleicht nostalgisch wertvoll sein mögen, die aber – je nach persönlichem Gusto – nicht wirklich brauchbar sind. Da kann man also ruhig mal aufräumen, wenn einem der Sinn danach steht.

Mit Tweet-o-Rasa habe ich mir mal einen kleinen Automatismus für genau diesen Zweck zusammengeschustert. Der macht das hier:

  • Eigene Tweets löschen, die älter als eine vorgegebene Zahl von Tagen sind.
  • Eigene Likes löschen, die älter als eine vorgegebene Zahl von Tagen sind.

Wer möchte, darf das gern auch selbst benutzen. Der Link erklärt hoffentlich verständlich (genug), wie das geht. Wenn nicht: Einfach fragen.

Die dort stehende Warnung unterstreiche ich jedoch gern nochmal explizit: Es gibt keine Garantie für irgendwas. Das Tool könnte was löschen, vielleicht macht’s das aber auch nicht. Es sollte das besagte Mindestalter von Tweets und Likes beachten, vielleicht räumt’s Euch aber auch den Account leer. Wie gesagt: Es ist zusammengeschustert. Im Zweifelsfall müsst Ihr halt einfach die Timeline wieder neu befüllen. 🤷‍♂️

Kategorien
aus dem regal

Gelesen: Nemesis von Jilliane Hoffman

Am Anfang kam mir die Geschichte doch sehr, sehr bekannt vor. Als hätte ich sie schon mal gelesen. Habe ich aber nicht. Ich fing sie nur an.

Jilliane Hoffman: Nemesis

Und das kam so: Nemesis ist das mentale Alter-Ego von C.J. Townsend. Sie ist Staatsanwältin. Sie ist aber auch in früherer Zeit vergewaltigt worden und muss jetzt mit ansehen, wie eine Reihe komplett irrer, wohlhabender, einflussreicher Herren Spaß daran hat, live zuzugucken, wenn Snuff-Videos gedreht werden, bei denen junge Frauen nicht nur mehrfach vergewaltigt, sondern anschließend auch noch auf unmögliche Art umgebracht werden.

Das hält doch keiner aus. Hinfort, in die Ecke damit!

Irgendwie hat es die Geschichte doch wieder auf das Lesegerät geschafft. Und irgendwie habe ich durchgehalten und nicht gleich wieder den großen Löschbutton gedrückt.

So durfte Nemesis jetzt endlich aufräumen, den Kampf gegen den Clan der Irren aufnehmen, daber nicht immer nur lieb und brav von ihrem Stuhl im Gerichtssaal aus operierend, sondern auch schon mal selbst Hand an die Typen legend.

Das ist – auf eine recht surreale Art – erfrischend. Ich habe mich irgendwann dabei erwischt, ihr die Daumen zu drücken, damit sie noch ein paar der Herren so beseite schafft, dass es wie Selbstmord aussieht und sie auf jeden Fall nicht erwischt wird.

So gesehen macht die Geschicht was mit einem. Ich bin mir nicht sicher, ob’s etwas wirklich tolles ist. Selbstjustiz ist schließlich auch Mist. Auch wenn der Zweck hier die Mittel zu heilen scheint.

Keine leichte Kost. Aber angenehm leicht geschrieben und spannend zu lesen. Danke somit nicht nur an die Autorin, sondern auch Katharina Naumann und Sophie Zeitz für die Übersetzung.

Kategorien
auf die ohren aus dem regal

Gehört: Dünengeister von Nina Ohlandt, gelesen von Reinhard Kuhnert

Spätes 18. Jahrhundert, die frühen Jahre des 20. Jahrhunderts, irgendwann im Heute: Da spielt die Handlung der Dünengeister. Und in allen Zeiten sind die Melanders mit dabei, ein Familienclan auf Sylt, der sein Einkommen auf jeweils an die Epoche angemessene Kreativität generiert. Und bei dem natürlich nicht alles in friedlicher Eintracht abläuft. Da wird auch schon mal gestritten. Und im Hier und Heute sterben schon mal Menschen. Drei. Durch Mord.

Das ist der Fall.

Und bei der Aufklärung dessen geht es um um klassisch sortierte Polizeiarbeit, um falsch verstandene Familienehre, um Beziehungen, die nicht immer von allen toleriert werden. Oder anders: Um das ganz normale Krimileben.

Dabei gibt es die Auflösung am Ende endlich mal nicht in Form eines Schurkenmonologs, bei dem wir langatmig die reumütige Resonanz des großen Bösen erdulden müssen. Stattdessen liefert einer der Ermittler den Showdown und führt geschickt die Fäden zusammen. Geht doch.

Uns sonst so?

Die Stimme von Reinhard Kuhnert ist ganz bezaubernd und zieht einen elegant in die Geschichte hinein.

Das Buch dauert 14 Stunden und 45 Minuten. Die 37 Kapitel teilen sich im Hörbuch auf 355 künstlich erstellte Kapitel auf. Das ist so eine technische Unsitte, die das Navigieren für die Hörys schwerer macht, den Produzenten aber mehr Erträge bringen soll. Drüben bei der Büchergefahr habe ich mich schon mal darüber echauffiert, erspare uns das somit an dieser Stelle. Nur so viel: Das hört auch wieder auf, sehr sicher.

Kategorien
laufen

Aussortierte Laufschuhe: On Cloudsurfer

Es ist mal wieder so weit: Nach etwas über 1.450 Kilometern darf ein Paar Laufschuhe hier den wohlverdienten Ruhestand antreten. Nach dem Cloudflow ist es mit dem Cloudsurfer das zweite Paar von On-Running hier im Haus.

Man sieht ihnen ihr Alter durchaus an. Und alt sind sie wirklich. Ich habe mir das Paar nämlich mal auf einer Marathonmesse geholt. Für alle, die sich nicht mehr recht daran erinnern können: Das sind Ansammlungen von Ausstellungs- und Verkaufsständen, die vor einem Marathon irgendwo in Startnähe zu finden sind. Ich verrate somit eher kein Geheimnis, wenn ich sage: Diese Schuhe sind deutlich über ein Jahr alt.

Wie auch schon bei den Cloudflow macht auch hier das Obermaterial schlapp. Es reißt, an mehreren Stellen. Damit ging es aber wirklich erst vor kurzem los, mit deutlich vierstelliger Kilometerzahl also. Das ist in Ordnung.

Interessant ist etwas anderes: Dieses Paar zeigt, dass auch die inneren Werte zählen, vor allem dann, wenn sie aufgeben und sich in Wohlgefallen auflösen. Während der letzten paar hundert Kilometer bröselte die Innensohle so langsam aber sicher auseinander. Man kann – immerhin – noch nicht durchgucken, aber es ist doch spürbar, dass etwas fehlt. Das ist neu, gab’s hier noch nicht. Man lernt doch immer wieder dazu.

Ganz anders sieht es mit den Clouds aus, also diesen Teilen unter dem Schuh, welche so namensgebend sind. Die halten erstaunlich besser durch, als man das auf den ersten Blick erwarten könnte. Stabile Angelegenheit. Je nach persönlichem Gusto und dem eigenen Laufstil nutzen sie sich natürlich mehr oder weniger gleichmäßig ab. So sind die Ballen hier glatter gerutscht als die Ferse. Es überrascht nicht wirklich.

Unterm Strich? Ein feines Paar Laufschuhe. Habe sie gern getragen, auf kurzen Strecken ebenso wie längeren Ausflügen. Ein Marathon war – glaube ich – nicht dabei, nachgeguckt habe ich das jetzt nicht. Aber es wäre auf jeden Fall drin gewesen. Da kam aber wohl ein anderes Paar Schuhe dazwischen. Doch darüber reden wir ja erst, wenn auch die nicht mehr können.

On mit den Clouds kommen hier bestimmt nochmal wieder. Sehr bestimmt sogar.

Kategorien
aus dem regal

Gelesen: Das verlorene Symbol von Dan Brown

Das kam kürzlich aus dem Bücherschrank hierher ins Haus. Und es hält, was es verspricht: Professor Robert Langdon gelangt völlig überraschend in ein spannendes Abenteuer und sucht darin das verlorene Symbol, um dem Schlamassel entweder zu entkommen oder doch zumindest Sinn in die Wirren des Geschehens zu bringen.

Dieses entfaltet sich in Washington und dreht sich auch quasi ausschließlich darum. Hauptstadt der USA, deren Gründerväter alte Freimaurer waren, die natürlich einen Haufen mystischer Geheimnisse gewahrt und in der Stadt versteckt haben. Nicht zufällig, versteht sich. Die Hauptstadt ist schließlich das Zentrum des Landes und damit automatisch der ganzen Welt, ganz klar.

Um das Drama komplett zu machen, gibt es noch einen Bösewicht, der die Sache mit der Welt und ihrer Bedeutung naturgemäß etwas anders sieht und sich angemessen geschickt anstellt, wenn es darum geht, Gemeinheiten auszuhecken, zu planen und umzusetzen.

Das ist alles recht spannend und mit viel Legenden, Verschwörungen, Symbolen, Mehrdeutigkeiten und geheimen Machenschaften durchsetzt. Ein Dan Brown eben.

Warum ist das lesenswert?

Ein – durchaus wesentlicher – Teil der Geschichte spielt in Washingtons Kapitol und verbindet es mit viel historischer Bedeutung, lädt ein, das Offensichtliche nicht immer gar zu ernst zu nehmen, sondern ruhig noch ein wenig darauf Herumzudenken und lieber eine Gehirnwindung zu viel als zu wenig zum Verstehen des Status-quo zu investieren.

Das ist ein erfrischend trockener und doch hochaktueller Ansatz. Wenn in einem Land mit populistischem Präsidenten auf einmal ein Haufen Wenigdenker das Kapitol ganz real stürmen, um das Offensichtliche durch den trivialen Kakao zu ziehen, dann wirkt der Gedanke, dass das doch nicht alles sein kann, irgendwie beruhigend. Geschichten wie diese Suche nach dem verlorenen Symbol halten die Vision hoch, dass die USA zwar nicht das Zentrum allen Geschehens sind, aber auch nicht die hoffnungslose Sammlung von Trotteln, die uns alle in den Abgrund reißen.

Die Vorstellung ist erfrischend.

Wo steckt der Haken?

Es ist halt ein Dan Brown. Bei aller nett zu lesenden Spannung in den divers ausgestalteten Verschwörungstheorien darf man hier keine großen Charakterentwicklungen oder gar die gute alte Heldenreise erwarten. Stattdessen gibt es ordentliches Plothandwerk, dem man es halt nicht übel nehmen sollte, wenn die Cliffhanger am Ende der Kapitel etwas sehr offensichtlich und plump auf einen hereinprasseln.

Das soll hier so, das muss hier so, das gehört halt dazu. Wenn man das akzeptiert, macht die Lektüre durchaus Spaß. Das ist doch was. Sprachlich ist es zurückhaltend schlicht, was ebenfalls gut passt und die Erzählung angenehm treibt. Da versteht der Bonner Kreis bei der Übersetzung sein Handwerk also auch.

Hier geht das Werk wieder zurück in den Bücherschrank. Wer zufällig dran vorbei kommt: Nur Mut, kann man ruhig mitnehmen.