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aus dem regal

Gelesen: Qualityland 2.0 von Marc-Uwe Kling

Was soll man von einem Buch halten, dessen Kapitel mit Überschriften wie dieser daherkommt?

Das ist das letzte Kapitel dieses Buchs. Wie wird es enden?

Man findet es natürlich sehr großartig, ganz klar. Mit dem ersten und diesem zweiten Teil von Qualityland hat Marc-Uwe Kling die Kunst des Clickbait in Kapitelüberschriften eines Buchs wahrlich perfektioniert. Es ist ein Traum.

Inhaltlich wird die Geschichte aus dem ersten Teil weiter erzählt. Es geht also um das reichlich absurde Szenario eines Gerätepsychologen, der die Psyche von verschrotteter Elektronik behandelt. Und es geht vor allem um seine Freundin Kiki, die auf der Suche nach ihren Eltern ist. Und bei all dem geht es ganz en passant um Totalüberwachung, um Größenwahn, um Selbstoptimierung und überhaupt die ganz, ganz große Gesellschaftskritik.

Im Stil bleibt sich Marc-Uwe Kling zum Glück treu. Er prangert zwar gehörig an, aber macht das auf eine dermaßen unterhaltsame, entspannte und lockere Art, dass man seine Freude daran hat.

Eine Empfehlung, was sonst!

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auf die ohren aus dem regal

Gehört: Project Weisser Jade von Alex Lukeman

Wie die Zeiten sich doch ändern. Früher war es in Spiongedramen normal, dass die guten Nordamerikaner gegen die bösen Russen agierten.

Heute halten sich die Amerikaner weiterhin für die Guten, streiten sich aber mit den Chinesen als Gegenspieler.

So auch hier beim Project Weisser Jade von Alex Lukeman (Übersetzung von Alok Avasthi). Bei diesem geht es um einen alten Schatz, der zwar von den Chinesen stammt, zwischendurch jedoch verloren ging und ihnen jetzt natürlich nicht wieder zufallen soll. Denn: Sie sind die Bösen, siehe oben.

Damit man den Chinesen diese Rolle abkauft, planen einige von ihnen erstmal einen Militärputsch. Den gilt es natürlich zu verhindern. Darum kümmern sich zum Glück die guten Amerikaner.

Hauptsächlich sind zwei Protagonisten aktiv: Nick Carter als alter Hase und erfahrener Agent sowie Selena Connor als intelligente Sprachwissenschaftlerin, die durch einen Mord an ihrem Onkel in die Geschichte gezogen wird.

Es entwickelt sich ein temporeicher Wettlauf beider Seiten bei der Jagd nach dem Schatz und dem Kampf um den Putsch. Dabei geben sich alle wenig gegenseitige Gnade, sind die Wendungen und Hindernisse trickreich und überraschend. Obwohl schnell klar ist, wer am Ende siegreich aus der Schlacht hervorgehen wird, bleibt die Erzählung spannend und unterhaltsam.

Einen guten Anteil daran hat sicher Michael Schrodt. Er liest das Hörbuch und macht das auf eine sehr angenehme und doch unauffällige Art und Weise.

Eine Empfehlung, wenn man sich für Spionagethriller mit klaren Feinbildern begeistern kann.

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auf die ohren

Gehört: Power Play von Tim Higgins

Ein Blick auf die Geschichte von großen und bekannten Firmen hat seinen Charme. Da gibt’s oft eine bunte Mischung aus cleveren Ideen, Mut diese anzugehen, Charisma zum Übergzeugen von Mitstreitfern und viel Dramen auf dem Weg zum Erfolg.

Power Play von Tim Higgins verspricht, genau das am Beispiel von Tesla zu leisten. Und warum auch nicht? Da kommt eine neue Firma und versucht, bestehende und etablierte Strukturen einer erfolgreichen Branche auf den Kopf zu stellen. Engagierte, motivierte und für Autos begeisterte Menschen bauen Elektroautos, die Spaß machen und nicht nur auf der Vernunftschiene überzeugen. Das klappt, das klappt auch mal nicht, das wirft Probleme auf, das zeigt Lösungen, die unmöglich scheinen, das geht voran, das begeistert.

Dann geht das Geld aus. Investoren sind gefragt. Mit Elon Musk kommt einer, der mitspielen möchte. Und von da an fällt die Geschichte ab, konzentriert sich auf eine One-Man-Show, wird langweilig. Wie schade.

Bei der Firmenbiographie von Nike haben wir hier so schön festgestellt : Alles schön und gut und unterhaltsam, aber Laufschuhe des Ladens kommen trotzdem nicht ins Haus. So weit würde ich bei Tesla jetzt nicht gehen. Doch der überragende Himmel der Firmengeschichtserzählung ist Power Play leider nicht. Immerhin ist es gut erzählt und vorgelesen. Dank an Will Damron.

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auf die ohren podcast

Bei der Büchergefahr übernehmen jetzt künstliche Stimmen

Im Podcast des Hauses gab es für ein gutes Jahr Sendepause. Es war gesagt, was zu sagen war. Es gab (und gibt) schlicht andere Aktivitäten, die hier in der persönlichen Gunst und Wertschätzung weiter oben stehen. Die Luft war raus, der Charme war weg. Das ist auch nicht schlimm, sondern sogar sehr gut so. Zeiten ändern sich schließlich.

Und dann kamen plötzlich Lara und Tom vorbei, um den Kanal zu übernehmen. Wie praktisch.

Bei den beiden handelt es sich um rein künstliche Akteure. Es gibt sie also gar nicht wirklich. Wobei man über diese Wirklichkeit ruhig auch nochmal reden könnte. Wie real es ist, wenn ich in irgendein Mikrofon rede, das Ergebnis munter bearbeite und dann online stelle, das liegt durchaus ein wenig im Auge bzw. den Ohren des Betrachters und Zuhörys.

Jetzt haben wir also zwei neuronal generierte Stimmen, die dort sprechen. Das erspart mir die Sache mit dem Mikro und dem Nachbearbeiten. Super Sache. In Folge 92 stellen sie sich erst einmal vor und lästern ein klein wenig über den bisherigen Sprecher ab. So sei es.

Wo das noch hinführt und ob sie wieder für mehr Regelmäßigkeit auf dem Kanal sorgen, das sei einmal dahingestellt. Bleiben wir gespannt.

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auf die ohren

Gehört: Emotional Agility von Susan David

Es gibt diese Momente, da erwischt man sich zum Beispiel beim Aufregen über eine Kleinigkeit, die man im Nachhinein als solche erkennt und für vollkommen nichtig hält. Beim Laufen mal eine schlechte Runde gehabt und vor Ärger die Schuhe in die Ecke gefeuert? Den Rechner fast aus dem Fenster geworfen, weil eine Kollegin in der letzten Videokonferenz etwas unverfroren Falsches gesagt hat? Das eigene Kind kritisiert, weil es die Spülmaschine nicht von sich aus ausgeräumt hat?

Kam so – oder ähnlich – schon mal vor, oder? Wenn es tröstet: Dafür gibt’s einen Namen. Man nennt es emotional instabil.

Das ist natürlich Mist. Darüber könnte man sich gleich auch erstmal aufregen. Womit sich aber die Katze nur in den Schwanz beißen würde. Also sprichwörtlich, versteht sich.

Stattdessen gucken wir natürlich lieber darauf, wie es besser laufen könnte. Besser heißt dabei: emotional agil.

Diesen Begriff hat Susan David vor einer Weile geformt, einen erfolgreichen Artikel im Harvard Business Review daraus gemacht und diesen schließlich zum ganzen Buch ausgebaut. Darin gibt sie schlaue Tipps dazu, die eigenen Werte zu finden, die eigenen Reaktionen zu erkennen, beides miteinander abzugleichen und möglichst in einen Wohlklang zu bringen. Klingt esoterisch, ist es aber gar nicht mal so sehr. Denn wenn man immer nur falsch auf sich selbst und die Umwelt reagiert, ist das nunmal nur so mäßig toll. Es geht besser, zum Beispiel mit diesen Empfehlungen, emotional agil zu sein.

Die Autorin liest übrigens selbst vor. Was erstaunlich gut klappt. Man fühlt sich mittendrin statt nur dabei. Das funktioniert ja auch nicht bei allen. Es ist ja nämlich sehr erstaunlich, wie viele Menschen respektabel gut schreiben können, aber nur ganz furchtbar im Vorlesen sind. Das ist hier nicht so. Sehr fein.

Wer sich nicht gleich das ganze Buch gönnen möchte, kann auch erst einmal mit dem zugehörigen 5-Minuten-Quizz beginnen. Oder sich einfach selbst wahrnehmen. Und dann in dieses Buch reinlesen oder reinhören. Und vielleicht zukünftig weniger aufregen und emotional stabiler durch den Alltag gleiten.