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Gelesen: Der Schiffskoch von Matijs Deen

Ein Feuerschiff also. Das liegt dauerhaft vor Anker, hat erst gar keine Schiffsschraube, um durch die Gegend zu fahren. Es strahlt stattdessen wie so ein Leuchtturm und bei Nebel trötet es kräftig ins Horn. Dafür braucht’s eine ordentliche Besatzung. Alle paar Wochen wechselt diese durch.

Wieder was gelernt.

Um ein solches Schiff geht es hier, der titelgebende Schiffskoch heißt Lammert, er versteht sein Handwerk. Lecker ist es, pünktlich kommt es auf den Tisch. Was will man mehr?

Einen Schmorbrateneintopf zum Beispiel. Für den eignet sich ein junger Ziegenbock. Theoretisch zumindest. Praktisch bringt Lammert das Tier lebend an Board. Und natürlich verlieben sich die harten Jungs so in das zarte Geschöpf, dass die Sache mit dem Braten eher schwierig wird.

Die Geschichte ist es jedoch nicht. Auf nur etwas über 100 Seiten schafft es Mathijs Deen und/oder sein Übersetzer Andreas Ecke, eine locker leichte Erzählung über gar nicht so leichte Themen zu präsentieren. Harte Kindheit, schwere Erkrankung und sogar einen Toten gibt es direkt im harmonischen Zusammenspiel mit Seemannsromantik, Sehnsüchten und viel heimlicher Liebe.

Eine schöne Geschichte für ein wenig Fernwehgefühl (nicht nur) in reisearmen Zeiten.

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Gelesen: Der Fuchs von Frederick Forsyth

Der Fuchs ist ein autistischer Teenager, der sich gut auf das Hacken von Hochsicherheits-IT-Systemen versteht, weil diese halt aus seiner Sicht schlicht nicht gut genug abgesichert seien. Das müsste man den Betreibern doch zeigen. Also legt er los und macht genau das, ganz still in seinem Kämmerchen, ohne großes Aufsehen damit zu beabsichtigen.

Was für ein Setting. Aus diesem Kind, diesem Altruismus, dieser Fähigkeit und den sich daraus ergebenden Möglichkeiten könnte viel Spannendes entstehen.

Aber was kommt?

Die Geschichte eines Geheimdienst-Veteranen, der aus dem Ruhestand geholt wird, um dem kalten Krieg nachzutrauern und noch ein wenig Gute-Jungs gegen Böse-Jungs mit den alten Schergen zu spielen. Da gibt’s viel Namedropping von Geheimdiensten und ihren Personen, die alle nicht so ganz real sind, aber bei denen man sich ganz clever fühlen kann, da man augenzwinkernd ahnt, wer jeweils wirklich gemeint ist.

Der hochbegabte Junge? Taucht gelegentlich auf, um Geheimcodes für die alten Herren zu besorgen und das ahnungslose Opfer zu spielen, welches von den einen Agenten vor den anderen Agenten beschützt werden muss.

Ganz ehrlich? Meine Güte. 🙄 Finger weg, ganz ohne noch groß zu überlegen, ob Rainer Schmidt es als Übersetzer wenigstens sprachlich retten kann.

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Gelesen: Verdammte Liebe Amsterdam von Frank Göhre

Das wurde aber Zeit, hier haben wir endlich das dritte und letzte Exemplar der Ausbeute vom Indiebookday des letzten Jahres.

Die Verdammte Liebe Amsterdam von Frank Göhre ist bei CulturBooks erschienen. Das bürgt durchaus für Qualität. So richtig daneben liegt man bei dem Verlag nicht, da sage doch nochmal jemand, dass diese Art des Gatekeepings keine Rolle mehr spiele. Verlage, die noch etwas auf sich geben, die ein wenig Haltung zeigen und nicht einfach nur den üblichen Mainstream aus den üblichen Quellen ein- und wieder verkaufen, haben durchaus ihren Reiz.

Hier mit einem Kriminalroman. Das Buch hat etwa 150 Seiten, ist also eher handlicher Natur. Aber davon soll man sich mal lieber nicht täuschen lassen, auch wenn die Handlung auf den ersten Blick recht übersichtlich wirkt: Ein Hamburger Restaurantbesitzer erfährt vom Tod seines Bruders irgendwo bei Köln, fährt dort hin um zu gucken, wie es dazu kommen konnte. So weit, so gut. Doch in einem heillosen Durcheinander von heillos chaotischen Figuren gibt’s ein heilloses Hin und Her zwischen Köln und Amsterdam (der Buchtitel!) und Rotlichtvierteln und Drogen und noch mehr Toten und kuriosesten Kleinkriminellen, die sich selbst natürlich immer ganz groß finden.

Da ist also ziemlich viel los auf relativ wenigen Seiten. Da wird nicht viel geschwafelt, eher dicht erzählt. Es hilft, gut aufzupassen, um bei den Charakteren nicht zwischendurch ein wenig durcheinander zu geraten. Aber das hilft ja generell im Leben, nicht wahr? Eben.

Verdammte Liebe Amsterdam – eine unterhaltsame und kurzweilige Angelegenheit.

Und irgendwann besinnen sie sich bei CulturBooks vielleicht wieder darauf, dass ihre Cover früher zwar irgendwie alle einheitlich und auf den ersten Blick langweilig wirkten, dabei aber erheblich charmanter und überzeugender waren, als den Buchtitel neben dem irre präsenten Namen des Autoren in den Hintergrund zu drängen. Göhre – who cares?

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Gelesen: Die Rückkehr der Kriegerin von Susanne Pavlovic

Das hat doch neulich mit der Geschichte von der Reise ans Meer ganz gut geklappt. Susanne Pavlovic kann solide erzählen. Das nutzen wir gern aus und greifen wieder zu. Und warum dann nicht mal eine Fantasyerzählung nehmen, wenn sie sich in dem Genre doch so umtriebig zeigt? Eben.

Die Geschichte einer Kriegerin also. Krona Karagin heißt sie. Und diese Dame hat’s echt in sich. Sie hat beim Militär gedient, war dort sehr erfolgreich, stellte irgendwann zu viele Fragen und gönnte sich erstmal eine Auszeit. Da man in dieser irgendwie über die Runden kommen muss, verdient sie sich als Söldnerin, nimmt also Auftragsarbeiten an. Bei einer solchen stößt sie auf eine Feuerdämonin. Sie gehen nicht im Guten auseinander. Krona ist sauer und sammelt eine Gruppe bunt zusammengewürfelter Gefährten um sich, um besagte Dämonin zur Strecke zu bringen.

Das ist so grob der Hintergrund der Rückkehr der Kriegerin. Wir begleiten die Helden sowohl durch das Zusammensuchen der Reisegruppe, als auch durch diverse Abenteuer, bei denen sie Zaubern, mystischen Sagen, von den Toten auferstehenden Geistern und ähnlichen Unholden begegnen. Dabei sind die Darsteller kampferprobt, clever, mutig und trotz aller Hürden am Ende aller kleinen Abenteuer, die sich zwischendurch auftun, immer auch erfolgreich. Gleichzeitig zeigen sie Gefühle, sind zerbrechlich, aufeinander angewiesen.

Das ist spannend, rührend und mitreißend erzählt. Es macht Spaß, durch diese Geschichte zu reisen.

Also alles gut?

Nicht ganz. Denn auch wenn dieses Buch ganz formal als Teil einer Trilogie angepriesen wird, endet es sehr abrupt. Es hört quasi mitten in der Geschichte auf. Die Feuerdämonin? Irgendwo weit weg. Der Weg zu ihr? Reichlich unklar. Sicher ist: Es gibt noch zwei Teile und in denen soll auch ruhig etwas erzählt werden dürfen. Aber trotzdem hätte schon der erste Band ein würdiges Ende verdient. So bleibt man etwas ratlos und enttäuscht zurück.

Schade eigentlich.

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Indiebookday 2021

Same procedure as last year? Same procedure as every year.

Seit 2013 gibt’s den Indiebookday. Sind wir hier auch seitdem dabei? Moment, mal gucken. Also: 2013, 2014, 2015, 2016, 2017, 2018, 2019, 2020. Jo, passt. Auch wenn von der Ausbeute des letzten Jahres eines noch gar nicht gelesen ist.

Ergo geht’s hier in diesem Jahr etwas bescheidener zu. Die Buchhändlerin des Vertrauens hat genau ein neues Werk ins Haus geschickt, es ist Der Schiffskoch von Mathijs Deen, aus dem Niederländischen übersetzt von Andreas Ecke.

Veröffentlicht hat’s der mare-Verlag, welcher mit soliden Geschichten verlässlich für ordentliches Fernweh sorgt. Da es mit dem Verreisen momentan eher nicht so läuft, ist das doch eine feine Sache.

Ich freue mich drauf.