Gelesen: Tippgemeinschaft 2017

Cover Tippgemeinschaft 2017 Zur Abwechslung gibt es heute mal etwas ganz anderes: Eine Anthologie von Texten, welche Studierende des Deutschen Literaturinstituts Leipzig geschrieben haben. Und ich kann’s kurz auf den Punkt bringen: Das ist durchaus einen Blick wert.

Es geht gleich mit einem feinen Vorwort los. Vorworte sind ja eh toll, dieses hier aber ganz besonders. Es erzählt von Hintergründen, es ordnet ein, es erläutert den Arbeitsstand der Texte und die noch nicht abgeschlossene Ausbildung der Studierenden, ohne sich präventiv zu verteidigen. Das ist Kunst und man fragt sich gleich: Wer ist eigentlich diese Nadja Küchenmeister? Tja.

Danach durchwächst es sich natürlich. So denkt man sich gern mal: »Ach guck, Nora Linnemann. Das ist doch mal einer getroffene Momentanaufnahme mit feinen Charakteren.«

Sehr schön sind auch die »Dunklen Kammern« von Sibylla Hirschhäuser, die sie aus einer vordergründig sachlichen Beschreibung sich vom Empire State Building springender Menschen – ganz besonders natürlich Evelyn McHale – ableitet und bis zu einer klärenden Selbstanalyse treibt. Das denkt man gern mit, das regt durchaus an.

Es gibt sogar einen Text für Läufer. Mit laufendem Rechtsanwalt sogar. Und er ist wundervoll erfolglos. Beim Laufen. Und auch beim Entspannen und den Geist durchpusten. Klappt alles nicht. Er scheitert auf der ganzen Linie. Das ist erfrischend ehrlich. Da fühlt man leidend mit. Was will ein Text mehr?

Und wenn dann noch jemand glaubt, dass Knastgeschichten immer brutal sind und subtile Nuancen nicht können, kann sich gern »Im Lauf der Zeit« von Malte Möller eines besseren belehren lassen.

Wer mag, kann hier ansonsten natürlich auch einen soliden Teil recht akademischer Ware konsumieren. Da wollten einige etwas zeigen. So wirkt es zumindest. Da ist auch schon mal plump provokativer Sex an Board. So sei es. Wenn es hilft. Das muss wohl so. Dafür ist es ja die Anthologie eines Literaturinstituts.

Insgesamt ist eben diese jedoch eine gelungen interessante Sammlung von Texten. Ob diese jetzt dazu führt, dass wir Aussenstehende die Autorinnen konzentriert über einen längeren Zeitraum beobachten? Wohl eher nicht. Aber gespannt auf die Ausgabe im kommenden Jahr, das dürfen wir durchaus sein. Auf der Homepage zur Anthologie wird es bestimmt die News geben, wenn es soweit ist.

Bis dahin kann man dem Motto des im Abspann werbenden Edit-Magazins folgen:

Dont‘ cry –
Work
Work
Work
Work
Work.