Aus dem Regal: Ein untadeliger Mann von Jane Gardam

Jane Gardam: Ein untadeliger Mann Was mag ein untadelig wirkender älterer Herr eigentlich für eine Geschichte haben? Einer, der als Richter und Anwalt im fernen Hong Kong erfolgreich, bekannt und wohlhabend geworden ist? Einer, der Edward Feathers heißt, jedoch respekt- und liebevoll Old Filth genannt wird?

Eine bewegende, ganz klar. Eine Geschichte, die ihm im hohen Alter erst einmal niemand ansieht. So ein erfolgreicher, so ein untadeliger Mann hatte tatsächlich mal eine Kindheit. Und nein, die war wohl eher nicht so, wie man gemeinhin denken könnte. Entbehrungsreich war sie, voller Wendungen war sie, schwierig war sie. Hoch kommt sie wieder. Jetzt, im ehrenwerten Altern. Nach dem Tod seiner Frau, welche der einzige tatsächlich momentan bedeutende Mensch für ihn war. Kaum ist sie weg, kommen die Fragen, kommen die Erinnerungen. Recht nüchtern stellt er sich ihnen, unaufgeregt, elegant.

Diese trockene Eleganz des Old Filth spürt man auch sehr wohlig beim Lesen. Hier findet sich eine Form der sprachlichen Aristokratie, die große Freude bereitet. Die Sätze sind einfach und edel. Die Wortwahl ist es auch. Hier hipstert nichts herum. Es klingt so faszinierend konservativ bodenständig, dass es letztlich genau das Gegenteil ist: elegante Aristokratie eben. Das passt. Zumindest hier in der Übersetzung von Isabel Bogdan. Aber das Original wird dem sicherlich nicht nachstehen.

Ein wundervolles Buch.