Turmberg-Workout. Oder: Man lasse sich lieber nicht von Frauen trainieren.

Sachen machen: Es ist wieder Saison dafür. Also, die ist natürlich immer, klar. Aber wenn es um sportliche Sachen geht, passt es jetzt gerade besonders gut. Wir haben schließlich Frühling. Da frieren wir uns eher wenig ab. Da schwitzen wir uns nur selten in Grund und Boden. Besser wird’s nicht.

Und Bewegen kann man sich zum Glück auf die vielfältigsten Arten. Es muss ja nicht gleich Marathon sein. Immer nur stumpfsinnig geradeaus zu laufen: Das kann’s schließlich nicht sein. Da geht doch sicher noch mehr. Ein Rundum-Workout-Programm zum Beispiel. Das wäre doch eine nette Abwechslung. Einigermaßen fit fühlt unsereins sich auch. So schlimm kann so etwas somit gar nicht sein.

Passenderweise organisiert ein örtlicher Bewegungsveranstalter ein sonntägliches Bewegungsprogramm. Eine Gruppentherapie, quasi. Oben auf dem Turmberg, dem obligatorischen Hügel der Stadt. Das ist natürlich sehr großartig. Das kann man ruhig mal ausprobieren. Probieren passt hier gut ins Weltbild. Also ab, hoch auf den Hügel. Und sei es erstmal noch ohne Zeitmessung, wie wir sie bei den Sonntagslinks gerade angekündigt haben. Oben wird dann ein wenig gedehnt, gestreckt, geliegestützt, gedippt, geplenkt, gehüpft, gesprungen, gedrungen. Als Läufer nennt man so etwas Stabi-Training. Das gehört einfach mal dazu.

Bis sich herausstellt, dass in der Gruppe eine Frau den Ton angibt. Wer so eine Ehre schon mal hatte, ahnt, was das heißt. Hier werden sofort Erinnerungen wach. An die Guten Alten Zeiten(TM), in welchen unsereiner noch Jiu Jitsu trainierte. Das war zu seiner Zeit ein großer Spaß. Bis zu dem Tag, an dem der Trainer nicht konnte. Und stattdessen seine Frau die Regie übernahm; eine kleine, zierliche, leicht zu unterschätzende Dame. Schon nach dem von ihr geführten Erwärmungsprogramm lagen wir starken Jungs alle erschöpft auf den Matten, unfähig noch weitere koordinierte Bewegungen, geschweige denn ein ganzes Training zu absolvieren. So fühlte ich mich auch jetzt. Hier, heute. Oder besser gesagt: Am Sonntag, auf dem Turmberg, nach dem Workout, geführt von Señora Drill-Instruktorin.

Wie ich die Laufstrecke zurück bis zum heimatlichen Sofa geschafft habe, weiß ich nicht mehr. Der Muskelkater wird in den nächsten Tagen womöglich langsam abklingen, ich zum Ende der Woche gegebenenfalls wieder zu geschmeidigen Bewegungen in der Lage sein. Ich nehme es zumindest an. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Als nächste Sache, die ich mache, suche ich mir vielleicht lieber etwas aus, was sich am Schreibtisch sitzend erledigen lässt.