Aus dem Regal: Der Schatten des Unsichtbaren von Torsten Seifert

Cover: Der Schatten des Unsichtbaren von Torsten Seifert Was macht eigentlich ein Gesellschaftsreporter? Klatsch und Tratsch verbreiten, ganz klar. Das muss aber gar nicht immer schlecht sein. Das ist manchmal sogar total nützlich. Zum Beispiel, wenn es bei der gnadenlosen Aufklärungsarbeit um einen der großen Schriftsteller unserer Zeit geht. Um B. Traven zum Beispiel. Da weiß ja niemand, wer das eigentlich genau ist, ähh: war. Hat ein paar Bücher geschrieben, der Herr. Das auch recht erfolgreich. Das Totenschiff war wohl das, was man gemeinhin den Durchbruch nennt.

Hier im Buch von Torsten Seifert geht es jetzt um Leon Borenstein. Das ist so ein Gesellschaftsreporter und er bekommt den Auftrag, die Identität B. Travens aufzudecken und damit für ein wenig anständige Publicity zu sorgen. Das macht er auch. Also, sich auf den Weg, um ein wenig herumzuforschen. Dabei kommt er durchaus ordentlich herum, vor allem natürlich nach Mexiko, aber auch Österreich steht auf der Reiseliste. Am Ende gibt es auch eine Art Auflösung, soviel sei hier verraten. Viel spannender als diese ist aber der Weg dorthin. Er ist geprägt von einer Liebesgeschichte, von historischen Hintergründen, von starken Egos und kräftigen Männern. Es ist ein buntes Potpourri von Personen, Landschaften, Geschehnissen. Dieses wird ordentlich durchmischt, arrangiert, ruhig und unaufgeregt erzählt, dabei spannend und unterhaltsam zusammengestellt.

Das alles ergibt, ich kann’s nicht anders sagen, einen soliden, ordentlichen, feinen, unterhaltsamen, empfehlenswerten Text. Ich kann diesen wirklich sehr empfehlen. So sieht ordentliches Texthandwerk aus. Und nun ist dieses Buch auch für den Blogbuster-Preis nominiert und steht sogar auf dessen Shortlist. Das ist absolut berechtigt und gut so. Nicht umsonst wird es auch von Tilman ’54books‘ Winterling protegiert. Das hat Stil, das bringt Klasse, gar keine Frage. Am Ende könnte dieses Buch somit den Weg zu Klett-Cotta/Tropen finden. Vielleicht wird dann sogar das Cover ansprechender. Der Text hätte es verdient.