Sonntagslinks

Das hier oben ist Harald Lesch mit einem kleinen Monolog über unser absurdes Bildungssystem. Was für ein passender Einstieg.

An anderem Ort regt Frau Meike sich auf. Irgendwie auch über Bildung. Genauer über unsere Vorstellung, dass die nachwachsenden Digital Natives alle hochbewusst und kompetent durch das Netz navigieren. Da ist nicht viel dran, sagt sie. Woran wiederum durchaus etwas dran ist. Dabei teile ich ihre Kapitalismuskritik keineswegs. Aber anzunehmen, dass Medienkompetenz für die Kinder einfach vom Himmel fällt, ohne dass wir Eltern dafür etwas tun müssen, nur weil die Jugend ja damit aufwächst, ist naiv. Und das ist keineswegs ein niedliches naiv.

Wie sieht es eigentlich mit dem Schreiben aus? mit dem Schreiben per Hand, um genau zu sein? Nun, das hat glatt auch etwas leicht Bildungsbürgerliches. Denn wer glaubt, das sei eine rein motorische Fähigkeit und ansonsten total sinnlos, irrt. Keine Überraschung, oder?

Ein hoher Ort der feinen Bildung sind Universitäten. Vorzeigeeinrichtungen dieser Art finden sich in Nordamerika. Die haben es einfach drauf. Absurd die Vorstellung, dass sie etwas mit Orten zu tun haben könnten, an dem Vergewaltigungen eher schleppend geahndet werden, an denen das Wort Brüste jedoch zu Problemen führen kann. Oder? Nun, wir werden leider enttäuscht. Skurriler kann es eigentlich kaum werden.

Schrauben wir einen Gang zurück. Reden wir zum Beispiel über Kindererziehung. Und zwar nicht (nur) die familiäre. Und zack, sind wir bei der Frage, warum wir eigentlich jemandem, der unsere motorisierten Gefährte wartet mehr bezahlen als jenen, die sich mit um unsere Kinder kümmern. Es scheint verrückt. Und die nächste Frage drängt sich auf: Muss das so bleiben? Müssen überhaupt Arbeit und Einkommen direkt aneinander geknüpft bleiben? Nicht zwingend, meint Götz Werner in einem Gespräch zum Grundeinkommen. Wie erfrischend.

Zurück zum Schreiben. Da ist die gebildete Welt schließlich noch in Ordnung. Oder? Nun, Nina George hält eine Rede auf den Leipziger Buchtagen. Und das ist tatsächlich im Wortlaut nachzulesen. Als wäre das nicht schon überraschend genug, verrät sie dabei konkrete Zahlen, wieviele Leute offenbar einen beliebigen Aufwand treiben, um sich ihre E-Books aus irgendwelchen dubiosen Quellen zu besorgen, anstatt zweimarkfünfzig für einen Text auszugeben, an dem man nachher wochen-, wenn nicht monatelang liest. Aber vielleicht schließe ich auch nur von mir auf andere. Es kann ja nicht jeder so träge lesen. Was – so gesehen – auch wieder beruhigend ist. Lesen hilft bekanntlich, in vielen Lebenslagen.