Versteckte Verse auf dem Literaturcamp

Das nenne ich mal eine Gelegenheit. Am letzten Wochenende gab es das erste Literaturcamp. Das war in Heidelberg, also gleich um die Ecke von den Südstaaten hier.

Praktischerweise waren ein paar interessante Leute dort. Thematisch passend haben sie alle irgendwas mit Wörtern gemacht. So gehört sich das. So soll es sein. Davon gibt’s ja viel zu wenig: Von Leuten, die schöne Sachen mit Wörtern machen.

Eine dieser Leute ist Alex, gemeinhin als das A&O bekannt. Sie betreibt nicht nur einen der schönsten Podcasts, die es hier so auf die Ohren gibt, sie spielt auch sonst sehr schön mit der Sprache. Man beachte ihr Blog, die Sitzsätze. Es unterhält.

Und auf dem Literaturcamp hat sie eine Session gegeben. Um versteckte Verse ging es dabei. Blackout Poetry nennen andere das. Und es geht darum, einen Text möglichst elegant auszumalen, dabei nur jene Wörter freilassend, die einen feinen Reim, einen Vers ergeben.

So sieht ein solcher Text zum Beispiel vorher aus:

Versteckte Verse (vorher)

So sieht es aus, wenn ein Señor schwer bei der Arbeit ist (mit Dank an Julia für das Bild):

Versteckte Verse (mittendrin)

Und der versteckte Vers ist hier entlarvt:

Versteckte Verse (nachher)

Im Klartext:

Boote rauchen.
Kinderwagen rauchten.
Seele, meine Schatten.
Plötzlich Licht.
Doch vergeblich.
Schatten folgen.
Plötzlich Passanten.
Geboren, weiß bewaffnet.

Dass das jetzt etwas düster klingt, ist purer Zufall. Was kann ich schließlich dafür, dass die zweite Bedeutungsebene des vorher weit charmanteren Ausgangsmaterials so schmerzhaft daher kommt? Eben. Schönere Beispiele gibt es unter #verstvers, dem Hashtag zur Aktion.

Das Ganze war ein großer Spaß, diese Art der Textmanipulation eine feine Idee und das Literaturcamp ein recht passender Rahmen.

Gerne wieder.