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Das Leben als Kaffee-Hipster, wie könnte es schöner sein?

Ebenfalls recht hip hat die ganz allgemein sehr großartige Frau Karla Paul im Rahmen der Leipziger Buchmesse in der Eröffnungsrede zu einer Veranstaltung über Literaturblogs treffenderweise recht korrekt festgestellt, dass die Diskussion über Literatur schon vor Jahren im Netz eingezogen ist. Und tatsächlich scheint das noch immer für Verwunderung zu sorgen. Das wiederum verwundert doch sehr.

Immerhin gibt es noch andere beliebte Debatten. Zum Beispiel jene darüber, welches gesellschaftliche Normalbild in Texten oft drin steckt. Na? Lohnenswert, da mal ein wenig drauf zu achten, findet Zoë Beck. Und die Dame liegt damit ganz richtig, wie übrigens auch sonst erschreckend oft.

Sehr spannend sieht log.os aus. Es versteht sich als soziales Netzwerk für Literatur. Auf dem Gebiet fehlt durchaus noch ein passables Angebot. Goodreads ist nett, LovelyBooks passabel, Lesetagebuch charmant, aber so richtig umwerfend sind sie alle nicht. Da kann log.os durchaus noch punkten. Wenn wir es nicht gleich mit den naheliegenden, aber trotzdem unsäglichen Amazon-Vergleichen erschlagen.

Texte einer ganz anderen Art gibt es in Presseerklärungen. Bei diesen stören sich jetzt einige tatsächlich daran, dass sie nicht unbedingt den nagativsten Aspekt der Nachricht in den Mittelpunkt rücken. Meine Güte. Denn mal im Ernst: Zum Jammern werden wir trotzdem genug Anlässe finden. Und all jene, die bei Wirtschaftsnachrichten die banale Frage nach den konkreten Zahlen dahinter nicht gestellt oder geklärt bekommen, interessieren sich möglicherweise auch nicht wirklich dafür. Kann ja alles sein. Letztlich kommen sie auf diese Weise mit einer Dramanachricht weniger durch das Leben. So furchtbar klingt das – ehrlich gesagt – nun auch wieder nicht.

Spannender ist dann tatsächlich mal ein Wiederaufguss der Frage, ob nun in Texten die männliche Form immer die Damen mit einschließt, die weibliche auch die Herren, lieber grundsätzlich beide genannt werden sollten oder wie auch immer. Nichts daran ist neu, aber das Thema lässt uns sicher trotzdem so schnell nicht los.

Das ist auch durchaus gut so. Der dramatische Fall des Mordes an zwei Backpackerinnen in Ecuador zeigt es leider nur zu anschaulich: Allein waren sie unterwegs. Zu zweit allein. Oder so. Wieviel Frauen hätten es denn sein müssen, um nicht mehr allein zu sein? Drei, ein Duzend, viele? Oder wäre auch eine Frau OK gewesen, wenn nur bitte irgendein hemdsärmeliger Typ dabei gewesen wäre, der sie vervollständigt hätte? Meine feministische Seite ist tatsächlich nicht sehr ausgeprägt, aber manchmal ist mir trotzdem sehr nach Kopfschütteln zumute. In diesem Fall zum Beispiel.

Wie wäre es zum Ausgleich mit etwas Techno-Nerd-Kram? E-Mail-Programme gehen zum Beispiel immer. Die sind definitiv noch nicht durchgespielt. Mit Mailtime kommt jetzt ein minimalistischer Ansatz, welcher aus E-Mail handliche Kurznachrichten machen möchte. Wie kreativ. Ein Mangel an Kurznachrichtendiensten ist zwar in letzter Zeit nicht aufgefallen. Und wenn wir mal ehrlich sind, ist E-Mail auch gar nicht so tot beziehungsweise kaputt, wie sie immer geredet wird. Aber man kann auch ruhig mal Probleme lösen, die gar keine sind. Hoffentlich haben die Macher wenigstens ihren Spaß bei der Sache.

Passend zu Ostern gibt es noch etwas Nostalgie und wir erfreuen uns daran, dass Verkäufe von Vinyltonträgern im letzten Jahr zumindest in einigen Gegenden mehr eingebracht haben, als kostenlose Streamingdienste. Immerhin.