Vom Generationenkonflikt

Wer kennt das nicht? Die eigenen Vorfahren führen einen vor. Denn jetzt mal ganz im Ernst: Es ist doch gern so, dass wir wieder und wieder damit konfrontiert werden, irgendetwas nicht zu können, das für unsere Eltern quasi ein selbstverständlicher Durchmarsch ohne Sorgen und Nöte war. Das wohl deutlichste Beispiel hierfür hört auf das Thema Autos.

Autos? Diese Dinger, die man halt nimmt, um von einem Ort zum anderen zu gelangen? Immer dann, wenn man den Weg nicht besser zu Fuß gehen kann? Oder wenn das Rad mal nicht passt? Die Bahn in irgendeinen komischen Winkel der Republik nicht wirklich fährt?

Genau die. Wir fahren sie. Wenn’s denn sein muss. Es darf durchaus gern mal ein hübsches Exemplar sein, ein schnelles, ein lautes, ein leises, eins mit ordentlicher Musikanlage oder ehrlichen Abgaswerten. Wie die Geschmäcker auch jeweils ausfallen, so dürfen sich die Autos heutzutage positionieren. Eines ist aber wichtig: Sie sollen bitte laufen, funktionieren, bloß nicht rumzicken, ausfallen, Stress machen. Was ein vernünftiger Gebrauchtgegenstand ist, der möchte bitte bereit stehen, um gebraucht zu werden. Es ist wie mit diesem Kommentar eines Verwandten von mir, er kam aus der Generation eins höher und er bedauerte es sehr, dass sein oller Passat einfach nur reibungslos lief. Was für ein Ärger das doch sei. Er hätte schließlich noch einen Reservemotor herumliegen, den würde er nun wirklich gern mal einbauen und testen. Und diese Mistkarre läuft einfach. Sowas aber auch.

Für mich ist das so unterhaltsam wie abwegig. Nur wenige Freizeitbeschäftigungen fallen mir ein, die weniger Anziehungskraft ausstrahlen, als es das Austauschen eines Motors in einem Auto tut. Faszinierend, dass man sich dafür tatsächlich begeistern kann.

Wie bodenständiger und natürlicher es doch ist, sich beispielsweise mit Rechnerfragen zu beschäftigen. Nicht das Herumschrauben an Computern ist es, was zählt. Sondern das Tüfteln damit, aus der Software das Letzte heraus zu holen. Früher, also vor langer Zeit, saßen wir in unserer Jugend zusammen und haben entweder bis zum Morgengrauen Monkey Island durchgespielt oder wir haben seitenweise Listings aus dubiosen Zeitschriften abgetippt, um nachher den Compiler anzuwerfen und noch ein wenig am Code herumzuschrauben, um ihn so richtig auf Touren zu bringen. Those were the days! Was waren wir für coole Jungs, wie haben wir uns gefeiert, als wir zu Der Party nach Dänemark gefahren sind.

Und heute? Was macht der Nachwuchs? Dengelt vielleicht mal auf dem iPad herum. Einfach zu bedienen muss es heute alles sein. Bloß nicht mehr unter die Haube gucken, bloß nicht mehr verstehen, wie die elektronische Welt eigentlich tickt. Respekt vor dem Rechengerät? Fehlt der Jugend von heute doch völlig! Verwöhntes Pack. Echt. Was soll nur aus denen werden?

Die Parallelen, sie sind bezaubernd. Auf der einen Seite haben wir hier natürlich einen ganz schlichten Generationenkonflikt. Er ist so trivial, er führt sogar dazu, dass die Kids auf einmal wieder Bücher auf Papier den elektronischen vorziehen. Geschenkt.

Viel faszinierender ist es, dass heute nicht nur die Autos überwiegend tatsächlich machen, was sie sollen – nämlich einfach zu fahren. Sondern heute klappt das auch mit Rechnern meist recht gut. Laptop auf, Laptop an, Laptop läuft. Mit dem Tablett läuft es ähnlich, mit dem Smartphone auch.

Ich bin jetzt mal gespannt, woran sie nach uns schrauben werden. Sind die neuen YouTube-Stars schon das nächste große Ding? Oder kommt da noch was? Warten wir es ab. Und üben wir uns ruhig schon mal im Köpfeschütteln. Wir Alten dürfen das.