So ein Volkslauf ist für alle da

FiveFingers

Es war einmal vor langer Zeit, das ist jetzt bestimmt schon ein paar Tage her, da hat mich die Dame des Hauses auf eine Laufrunde in den nahegelegenen Wald entführt. Dass ich immer nur allein dort herumturne, dass wird ihr dann doch zu bunt. Wer weiß, welche Pausen ich da immer heimlich einlege, um mich zwischendurch adäquat auszuruhen? Das kann man ruhig mal kontrollieren. Also sind wir zusammen los. Und sie hat prompt eine neue Kilometerbestzeit provoziert, mit lächerlichen viereinhalb Minuten. Pace nennt sich das. Und wem das wenig sagt, dem verrate ich gern: für meine Verhältnisse ist das recht fix. Im normalen Reisetempo brauche ich eine ganze Minute mehr. Frauen, sie sind halt doch die wahren Antreiber.

Passenderweise hat nur wenig später ein lokaler Freund des Laufens ein paar Startunterlagen für mich vorbei gebracht. Für den Volkslauf der örtlichen Stadtwerke. Und wenn man so dezent gedrängt wird, dann bleibt einem natürlich nur eins: Danke! sagen und Laufen. Der besagte Freund meinte noch etwas von “Zielzeit bitte unter 50 Minuten.” Ich habe das nicht weiter kommentiert. Die Strecke geht über zehn Kilometer. Das wäre also eine durchschnittliche Pace von weniger als fünf Minuten/km. Die Betonung liegt dabei auf durchschnittlich.

Heute war es dann soweit. Und was soll ich sagen? Es war ein Spaß!

Mit der vollkommen irrsinnigen Zielvorgabe im Kopf habe ich mich irgendwo im ersten Drittel des Startfeldes platziert. Noch schneller kann doch schließlich niemand laufen wollen, oder?

Weit gefehlt. Während der ersten zwei Kilometer wurde ich quasi konstant überholt. Es war kein Massengedränge, es war eher ein konstanter Strom einzelner Läufer, der stetig vorbei zog. Das demotiviert. Das erdet. Das zeigt einem die eigenen Grenzen auf. Mit dem Tempo, das ich offenbar drauf hatte, wird die gesamte Strecke wohl mehr als eine Stunde dauern. Nach dem ersten Kilometer werfe ich einen kurzen Blick auf die Uhr am Arm. Sie sagt 3:54 Minuten. Das ist nicht gut. Das ist eine Pace jenseits meiner Ohnmachtsgrenze. Den Blick wieder nach oben gerichtet habe ich ein wenig Tempo heraus genommen und mich lieber noch ein wenig überholen lassen. Meine Güte!

Immerhin hatte ich wieder mein Laufshirt dabei. Das muss so. Und mit ein wenig Glück reagiert auch jemand darauf. Es hat beim Badenmarathon im letzten Jahr geklappt. Und heute wieder. Mitten auf der Strecke kam jemand von hinten heran und eröffnete ein Gespräch:

Laufshirt

“¿Hablas Español?”
“¿Que?”
“¿Hablas Español?”
“Solo un pocito.”
“Porque tu eres el Señor Rolando.”
“Oh, correcto.”

Das Gespräch war damit zwar noch nicht wirklich beendet, aber mehr konnte ich trotzdem nicht mehr sagen. Pace und so. Dem werten Laufkollegen wurde das natürlich zu langweilig und er zog vorbei und von dannen.

Für die 50-Minuten-Zielvorgabe hat’s am Ende immerhin noch gereicht. Glück gehabt. Nur der Sohn war irgendwie nicht zufrieden. Er hat prompt nach meiner Medaille gefragt. Ohne Medaille findet er die ganze Lauferei irgendwie nicht so recht sinnig. Aber ich konnte sie ihm nicht zeigen. Es gab wohl keine.

Irgendwas ist echt immer.