Aus dem Regal: Netzgemüse von Tanja und Johnny Haeusler

Was für ein charmanter Name für den Nachwuchs, welcher als Digital Native groß wird: Netzgemüse. Und als sei das noch nicht genug, haben Tanja und Johnny ‚Spreeblick‚ Haeusler gleich ein ganzes Buch dazu geschrieben. Bei dem es genau darum geht: wie der Nachwuchs in der heutigen Zeit groß wird und mit vernetzten Rechengeräten ganz natürlich umgeht. Gleichzeitig geht’s in dem Buch darum, dass viele Ältere unter uns – nennen wir sie: Eltern – damit nicht immer ganz so natürlich umgehen können, ja manchmal regelrecht thematische Schwächen oder zumindest Berührungsängste haben.

Passenderweise ist das Buch in mehrere Kapitel unterteilt. Nach ein wenig Einführung geht es in diesen jeweils konkret um: YouTube, Facebook, Videospiele und Smartphones. Das überrascht wenig, denn diese paar Beispiele beschreiben das digital vernetzte Thema ganz gut. Die meisten Sachen davon sind uns genau betrachtet auch durchaus geläufig. Denn sie begleiten auch unseren Alltag. Und das obwohl wir Eltern sind. Ich meine, jetzt mal ehrlich: YouTube, Facebook, Smartphones – was wollen sie uns da schon groß erzählen? Klar, das eine oder andere Detail ist ganz interessant. Das hat man so noch gar nicht selbst gesehen. Darauf hat man gar nicht geachtet. Wie interessant. Aber ansonsten: Das ist Alltag. Das kennen wir. Mit den Videospielen sieht es schon anders aus. Bei denen habe ich mich tatsächlich gefragt: Nanu, was machen die denn hier? Gibt’s die überhaupt noch? Offenbar ja. Sehr sogar. Wieder was gelernt. Hat sich das Buch doch gelohnt.

Dabei kommt das Beste erst danach. Das Autorenpärchen nennt es: e-Pilog. Nettes Wortspiel, ganz klar. Aber auch inhaltlich passt es. Denn es geht um ein Resümee. Es geht darum, wo es am meisten klemmt mit der medienpädagogischen Prägung der nachfolgenden Generation. Denn wir schaffen das nicht allein, so als Eltern. Natürlich sind wir ganz toll, fachkundig, verständnisvoll, einfühlsam und tolerant. Aber das reicht nicht. Wir sind nunmal nicht ein Leben lang 24/7 die Alleinbegleiter der Kleinen. Das ist auch gut so. Heißt aber: es erziehen auch andere mit. Die Schule zum Beispiel. Einen Teil ihrer Bildung bekommen die Kinder von dort. Und bezüglich der vernetzten Welt ist an unseren Schulen einiges kaputt. Das zeigen die Autoren sehr gut und schlagen in jene Kerbe, die z.B. auch Gunter Dueck fortwährend aushöhlt. Allein durch Reden und Schreiben bekommen wir diese Baustelle zwar nicht bewältigt. Aber das Wissen darüber ist doch schon mal ein Anfang.

Darum: Kaufen Sie dieses Buch. Lesen Sie, verstehen Sie, reden Sie darüber, nehmen Sie Einfluss, lassen Sie nicht locker. Denn die Zeit schreitet voran, das ist ihr Job. Und wenn wir da mithalten wollen, klappt das nicht, indem wir Augen, Ohren, Mund und vielleicht auch noch den ganzen Rest verschließen. Nur Mut, nur zu. Und keine Angst: Die Kinder verblöden nicht zwangsläufig, nur weil sie auch mal auf irgendwelche Bildschirme starren. Zumindest dann nicht, wenn wir sie dabei begleiten und nicht einfach sich selbst überlassen.