Kleider machen Leute

Dem Haushalt hier steht ein Institut sehr nahe. Das ist praktisch. Denn in dem Laden wird unter anderem genäht. Nicht nur schön, sondern kleidsam. Davon profitieren hier vor allem die Kinder. Mit der Räuberhosen-Uniform fing alles an, mit passendem Werkzeug ging es weiter und mit abgetragenen Zimmermannshosen war es keineswegs vorbei. Eine Kollektion folgt der anderen. Und bei der Gestaltung dieser dürfen die Kinder sogar ihre Wünsche äußern.

Das klappt für gewöhnlich übrigens erstaunlich gut. Die Kinder wühlen sich durch unüberwindbare Stoffberge, äußern ihre Wünsche, die angetraute Künstlerin nimmt diese auf und lässt sich manchmal sogar von ihnen inspirieren. Am Ende kommen dabei Sachen heraus, die nicht nur maßgeschneidert sind, sondern welche die Kinder auch gern tragen. Das vereinfacht insbesondere die morgendlichen Diskussionen über eine angemessene Tagesgarderobe. Wer selbst Kinder hat, kann sicher abschätzen, welche Vorteile das für die Tagesanfangslogistik sowie das eigene Nervenkostüm hat.

Manchmal überschreitet der Nachwuchs jedoch ganz klar seine Kompetenzen. Zum Beispiel dann, wenn der Sohn fragt:

Mama, kannst Du mir bitte eine Krawatte nähen? Ja? Und dann ziehe ich nämlich jeden Tag das Gleiche an.

Wie der Papa.

Ich kann überhaupt nicht sagen, wie er darauf kommt. Ab sofort werde ich jedoch besser darauf achten, dass der junge Mann morgens seine Augen öffnet, bevor ich mich in der Kita von ihm verabschiede. Seine pure Einbildungskraft sorgt doch ansonsten für ein vollkommen verfremdetes Weltbild. Also wirklich.